Die Kapelle Etzelsbach im Obereichsfeld nahe Heiligenstadt wurde 2011 in ganz Deutschland bekannt, als nämlich Papst Benedikt hierher kam und mit 90 000 Pilgern eine Marienvesper feierte. Bis heute wird an der einsam liegenden Kapelle an den Papstbesuch erinnert.
Sanfte Hügel, weite Wiesen, ein Bach. Der Etzelsbach. Im Tal, gleich neben dem Bach, steht eine Kapelle unter Linden. Im September 2011 fand genau hier eine Großveranstaltung statt. 90 000 Menschen kamen zur Kapelle. Aber kein Popstar gab hier ein Open-Air Konzert. Sondern er kam: Papst Benedikt. 2005 war er zum Papst gewählt worden. Zwei Jahre nach seinem Besuch, 2013, trat er von seinem Amt als Bischof von Rom zurück.
Papst Benedikt in Deutschland
Es war sein dritter Besuch als Papst in Deutschland. Im August 2005 besuchte er den Weltjugendtag in Köln, 2006 war err in Bayern zu Gast. Nun kam er das dritte Mal nach Deutschland. Zunächst war Papst Benedikt Gast in Berlin, dann in Erfurt. Die letzte Station der Reise war dann Freiburg. Zwischen Erfurt und Freiburg aber lag diese Station hier: Etzelsbach.
Für diesen einen Tag, für diesen einen Nachmittag, stand die Wallfahrtskapelle Etzelsbach im Mittelpunkt des Interesses. Eine bisher außerhalb der Region wenig bekannte Kapelle bekam so für wenige Stunden eine riesige Bedeutung.
Etzelsbach. Wir sind hier in Thüringen. Und zwar in der Region und im Landkreis Eichsfeld, genauer im Obereichsfeld. Die nächsten größeren Städte sind Göttingen und im Eichsfeld dann Duderstadt, Heiligenstadt, Worbis und Leinefelde. Die letzten drei Städte sind etwa zehn Kilometer entfernt. Dazwischen liegen Wiesen, Felder und Wald sowie einige kleinere Dörfer. Es ist einsam hier. Das nächstgelegene Dort ist die Gemeinde Steinbach. Hier leben etwas über 500 Einwohner.
Parkplatz und Infocenter in Etzelsbach
Zwar kannte unser Navi weder Steinbach noch Etzelsbach, doch die Kapelle ist gut ausgeschildert. Doch statt eines Feldweges im Tal finden wir eine Straße, gesäumt von jungen Linden. Schnurgerade führt die schmale Straße Richtung Kapelle.
Hier gibt es nicht nur einen großen Parkplatz, sondern auch ein Infocenter. Es gibt Sitzplätze, Sanitäranlagen und jede Menge Infomaterial. Und einen Kaffee gibt es auch. Um das Gebäude stehen Informationstafeln. Natürlich auch zur Umgebung, zum Eichsfeld, zu Wallfahrtswegen, Kirchen und Kapellen. Und natürlich zum Papstbesuch 2011.
Es sind nur wenige Meter vom Parkplatz bis zu einem kleinen Lindenwald. Dort steht zwischen Bäumen die Wallfahrtskapelle.
Hier fließt der Etzelsbach, womit der Name des Ortes eigentlich geklärt wäre. Aber hier gab es auch mal ein Dorf mit Namen Etzelsbach. Das wurde im Bauernkrieg verlassen und verfiel.
- An der Wallfahrtskapelle Etzelsbach ferierte Papst Bendikt mit 90 000 Pilgern eine Marienvesper
Erinnerungen an den Papst in Etzelsbach
Mehr Erinnerungen an den Papstbesuch gibt es vor und neben der Kapelle. Infoschilder mit erklärenden Texten und Fotos zum Papstbesuch. Eine riesige Bühne mit einem Altar hatte man damals aufgebaut. Dort fand die Vesper statt. Daneben gab es noch eine weitere Bühne. Da war der Chor platziert. Eine Tafel erklärt auch die Wiese für die 90 000 Pilger, die gekommen waren. Man hat die Parzellen für die Pilger vermerkt, den Standort des Altars und den Weg, den der Papst im Papamobil fuhr. Von der Tafel aus schweift der Blick über die Wiesen, die damals Pilger bevölkerten.
Von der Tafel aus schwenkt der Blick vorbei am sogenannten Papstkreuz auf dem Wallfahrtsplatz hin zur Wallfahrtskapelle. In der Kirche steht eine hölzerne Pietà, ein Gnadenbild, das hier verehrt wird. Seit wann es hier eine Wallfahrt zum Gnadenbild gibt, ist unbekannt. Aber vermutlich schon im 15. Jahrhundert.
In der Kapelle in Etzelsbach
Diese Kapelle wurde 1897 gebaut. Vorher hat es bereits eine Kapelle gegeben, die um 1800 gebaut wurde. Und es gab schon einen Vorgängerbau, die Wallfahrtskapelle „Zu unserer Lieben Frauen“. Die wurde im Bauernkrieg 1525 niedergebrannt.
Wir betreten die Kapelle durch den Nebeneingang.
Das Eichsfeld ist überwiegend katholisch. Und in dieser Region gibt es eine sehr starke Marienverehrung. Das hat hier Tradition. Als Papst Benedikt hierherkam, sagte er als Begründung für seinen Besuch im Eichsfeld: Er wolle die Region besuchen, deren Menschen trotz zweier Diktaturen fest zu ihrem Glauben und den christlichen bzw katholischen Traditionen gestanden haben. Warum sich der Papst für seinen Besuch die einsam gelegene Kapelle Etzelsbach ausgesucht hat, liegt an deren Lage. Einsam – also gut zu sichern und hier war Platz für eine Veranstaltung mit fast 100 000 Menschen.
Das anderswohin-Video über Etzelsbach
Der päpstliche Reisemarschall sagte nach einem ersten Besuch in Etzelsbach, als er die Lage des Ortes beschreiben sollte: Das ist in der Mitte von nirgendwo.
Im linken Seitenschiff der Kapelle steht eine Darstellung der Heiligen Anna, das Relief Anna Selbdritt. Im rechten Seitenschiff steht das Gnadenbild.
Die Legende sagt: Ein Bauer pflügte hier seinen Acker. Da scheuten die Pferde und er fand im Boden das Gnadenbild. Anscheinend kam das Gnadenbild so in eine Kapelle. Als im benachbarten Ort die Pferdeseuche ausbrach, schickte der Pfarrer die Bauern mit ihren Pferden zur Kapelle mit dem Gnadenbild. Die Tiere wurden wieder gesund.
Diese Geschichte verbreitete sich und seitdem findet hierher an den 3 Marienfesten Wallfahrten statt. Eine davon ist eine Pferdewallfahrt. Also man kommt mit Pferden hierher. Die werden dann gesegnet. Die Wallfahrt ist sehr beliebt.
Übrigens: Das Gnadenbild, das der Bauer fand, stammt vermutlich aus der abgebrannten Dorfkirche in Etzelbach.
Der Besuch von Papst Benedikt, hier ist er nicht vergessen. Die Erinnerung an diesen wohl bedeutendsten Tag im katholischen Eichsfeld wird bis heute lebendig gehalten.