Die Marienkirche in Danzig, eine der größten Backsteinkirchen der Welt, erreicht man über die Ulica Mariacka, die Mariengasse oder auch Frauengasse.
Letztere, Danzigs romantischste Straße mit Kopfsteinpflaster, prächtigen Treppenaufgängen und der Bernsteinauslagen der vielen Händler, bereitet einen vor auf die Schönheit sakralen Bauens, das den Besucher nun erwartet. Die Straße endet an der Chor-Hinterseite der Marienkirche. Ein Koloss, gewaltig, hoch und beeindruckend.
Günther Grass: Oskar Matzerath mit der Trommel
Dennoch spielt die Marienkirche auch im Blechtrommler wie im Leben seines Autors eine Rolle. Denn an der Marienkirche, dem größten Backsteindom der Welt, kommt in Danzig niemand vorbei. Bis 1945 evangelisch, ist die Marienkirche heute katholisch.
Da die polnischen Könige, die seit dem Ende des Deutschen Ordens die Herren in der Stadt waren, katholisch waren, errichtete man neben der Marienkirche die Königliche Kapelle. Ein Barockbau, den die Könige bei Besuchen in der Stadt nutzten. Heute ist die kleine Kirche stark zerfallen und wird derzeit restauriert.
Über 105 Meter lang
Wer in die Marienkirche eintritt, ist fasziniert, gilt die Marienkirche doch als eine der größten Backsteinkirchen der Welt und auch eine der größten Kirchen in Europa. Zahlen der Superlative: 105,5 Meter lang, die Breite des Querschiffs beträgt 66 Meter. Würde man Menschen im Innern dich gedrängt stellen, so würden 25 000 in den Innenraum passen, erzählt man in der Kirche. Eine unvorstellbare Zahl.
Gebaut wurde am Gotteshaus 159 Jahre. Von 1343 bis 1502. Entstanden ist eine dreischiffige Kirche, das Querschiff und der Chorraum mit den faszinierenden Netz-, Kristall- und Kreuzgewölben. Ein monumentales Werk.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Marienkirche schwer beschädigt. 40 Prozent der Kunstschätze waren vernichtet, die Glasfenster zerstört, Gewölbe brachen ein. In den Nachkriegsjahren wurde die Marienkirche wiederaufgebaut, vor dem Krieg ausgelagerte Kunstwerke zurückgebracht, andere hinzugestellt. Heute wirkt die eigentlich reiche Innenausstattung der Marienkirche im Verhältnis zur immensen Höhe ihres weiß gekalkten Innenraumes spartanisch.
Das jüngste Gericht in der Marienkirche Danzig
Grabmale und Gemälde, Orgelprospekt, eine astronomische Uhr aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und Altäre sind schmuckvolle Zeugnisse des Glaubens findet man überall. Im Mittelpunkt des Interesses aber steht das berühmte Triptychon „Das Jüngste Gericht“. Hans Memling aus Brüggen hat diese Auftragsarbeit der Medici, gedacht für einen Palast in Florenz geschaffen. Es wurde von einem polnischen Piraten bei der Überfahrt nach Italien gestohlen und vom Schiffseigner der Marienkirche geschenkt. Das war gegen 1470.
Klar gab es anschließend Streit um das Bild. Der Papst drohte Danzig sogar mit dem Kirchenbann. Napoleon nahm das Triptychon mit in den Louvre, danach hing es in der Sankt Petersburger Eremitage. Heute ist das Original im Danziger Nationalmuseum – in der Marienkirche hängt eine – dennoch beeindruckende – Kopie.
Durch einen Seiteneingang verlasse ich die Marienkirche. Dort hinten liegt die Altstadt, wo sich auch die polnische Post befindet. Der Ort, an dem der kleine Oskar den Tod seines mutmaßlichen Vaters verschuldete – und an dem sich 1939 polnische Postmitarbeiter heftige Gefechte mit der deutschen Wehrmacht lieferten.
Bazylika Mariacka
Podkramarska 5, 80-834